Gelöste Thermodynamikaufgabe

Übungsaufgabe: Laplace-Gleichungen

Übung 10 · Lektion 5Anwendung auf das ideale Gas

  • Übungsaufgabe
  • Laplace-Gleichung
  • Adiabatenexponent
  • Gamma
  • adiabatische Expansion
  • erster Hauptsatz in differentieller Form

Aufgabenstellung

Betrachtet werden nn Mol eines idealen Gases mit dem als konstant angenommenen Adiabatenexponenten γ=cP/cV\gamma = c_P/c_V. Das System sei geschlossen. Die Mayer-Beziehung cPcV=Rc_P - c_V = R wird als bekannt vorausgesetzt (siehe die Aufgabe zur Herleitung von cPc_P).

  1. Zeigen Sie, dass cV=Rγ1,cP=γRγ1.c_V = \frac{R}{\gamma - 1}, \qquad c_P = \frac{\gamma R}{\gamma - 1}.
  2. Das Gas erfährt eine quasistatische adiabatische Zustandsänderung, für die Pext=PP_{\text{ext}} = P angenommen wird. Zeigen Sie ausgehend vom ersten Hauptsatz in differentieller Form, dass dTT+(γ1)dVV=0,\frac{\mathrm{d}T}{T} + (\gamma - 1)\frac{\mathrm{d}V}{V} = 0, und folgern Sie daraus, dass entlang der Zustandsänderung TVγ1=konst.TV^{\gamma-1} = \text{konst.} gilt.
  3. Leiten Sie daraus die beiden anderen Formen der Laplace-Gleichung her: PVγ=konst.PV^\gamma = \text{konst.} und TγP1γ=konst.T^\gamma P^{1-\gamma} = \text{konst.}.
  4. Bei einer solchen Expansion verdoppelt sich das Volumen eines einatomigen Gases (γ=5/3\gamma = 5/3) mit n=1n = 1 mol und der Anfangstemperatur Ti=300T_i = 300 K. Berechnen Sie TfT_f, anschließend ΔT\Delta T und WW, und kommentieren Sie die Vorzeichen von ΔT\Delta T und WW.
  5. Vergleichen Sie im Clapeyron-Diagramm (P,V)(P,V) in demselben Punkt die Steigung einer solchen Adiabate mit der einer Isotherme.

Hinweis

Hinweis
Für Frage 2: dU=ncVdT\mathrm{d}U = n c_V\,\mathrm{d}T und δW=PdV\delta W = -P\,\mathrm{d}V mit P=nRT/VP = nRT/V; trennen Sie anschließend die Variablen. Differenzieren Sie für Frage 5 PVγ=konst.PV^\gamma = \text{konst.} und PV=konst.PV = \text{konst.}.

Ausführliche Lösung

Lösung
Frage 1. Aus cP=γcVc_P = \gamma c_V und cPcV=Rc_P - c_V = R folgt cV(γ1)=Rc_V(\gamma - 1) = R und damit ergeben sich die beiden Formeln.

Frage 2. Adiabatische Zustandsänderung: δQ=0\delta Q = 0, daher dU=δW\mathrm{d}U = \delta W, also ncVdT=PdV=nRTVdVn c_V\,\mathrm{d}T = -P\,\mathrm{d}V = -\dfrac{nRT}{V}\mathrm{d}V. Mit cV=R/(γ1)c_V = R/(\gamma-1) gilt:

dTT=(γ1)dVV.\frac{\mathrm{d}T}{T} = -(\gamma-1)\frac{\mathrm{d}V}{V}.

Durch Integration erhält man lnT+(γ1)lnV=konst.\ln T + (\gamma-1)\ln V = \text{konst.}, das heißt TVγ1=konst.TV^{\gamma-1} = \text{konst.}.

Frage 3. Einsetzen von T=PV/(nR)T = PV/(nR) ergibt PVγ=konst.PV^\gamma = \text{konst.}, da nn konstant ist. Einsetzen von V=nRT/PV = nRT/P ergibt T(TP)γ1=konst.T \left(\frac{T}{P}\right)^{\gamma-1} = \text{konst.} und somit TγP1γ=konst.T^\gamma P^{1-\gamma} = \text{konst.}.

Frage 4. Am einfachsten verwendet man die Laplace-Gleichung TVγ1=konst.T V^{\gamma - 1} = \text{konst.}. Aus ihr folgt TiViγ1=TfVfγ1T_i V_i^{\gamma - 1} = T_f V_f^{\gamma - 1} und damit Tf=Ti2(γ1)=300×22/3189T_f = T_i\,2^{-(\gamma-1)} = 300 \times 2^{-2/3} \approx 189 K. Dabei ist unbedingt die Temperatur in Kelvin einzusetzen, um einen Fehler zu vermeiden! Daraus folgt ΔT=TfTi111\Delta T = T_f-T_i \approx -111 K. Da Q=0Q = 0 gilt, ist die Arbeit

W=ΔU=32RΔT32×8,314×(111)1,4 kJ.W = \Delta U = \tfrac{3}{2}R\Delta T \approx \tfrac{3}{2}\times 8{,}314 \times (-111) \approx -1{,}4\ \text{kJ}.

W<0W < 0: Das Gas verrichtet während der Expansion Arbeit an der Umgebung. Da es die dafür erforderliche Energie keiner Wärmequelle entnehmen kann (Q=0Q=0), greift es auf seine innere Energie zurück; daher die Abkühlung ΔT<0\Delta T < 0.

Frage 5. Durch Differenzieren von PV=konst.PV = \text{konst.} erhält man (dPdV)isoT=PV\left(\frac{\mathrm{d}P}{\mathrm{d}V}\right)_{\text{isoT}} = -\dfrac{P}{V}. Durch Differenzieren von PVγ=konst.PV^\gamma = \text{konst.} erhält man (dPdV)adiab=γPV\left(\frac{\mathrm{d}P}{\mathrm{d}V}\right)_{\text{adiab}} = -\gamma\dfrac{P}{V}. Die Adiabate ist um den Faktor γ\gamma steiler als die Isotherme: Bei einer Kompression ohne Wärmeabfuhr steigt der Druck schneller an, weil gleichzeitig die Temperatur zunimmt.