Gelöste Thermodynamikaufgabe

Arbeit und Wärme zwischen zwei Zuständen auf zwei Wegen

Übung 11 · Lektion 5Anwendung auf das ideale Gas

  • Druckarbeit
  • Wärme
  • Isotherme
  • Isochore
  • Clapeyron-Diagramm
  • exaktes Differential
  • ideales Gas

Aufgabenstellung

Betrachtet werden nn Mol eines einatomigen idealen Gases mit der inneren Energie U=32nRTU=\frac{3}{2}nRT. Der Zustand A(T1,V1)A(T_1,V_1) wird auf zwei quasistatischen Wegen mit dem Zustand B(T2,V2)B(T_2,V_2) verbunden, wobei zu jedem Zeitpunkt Pext=PP_{\mathrm{ext}}=P gilt:

  • Γ1\Gamma_1: eine isotherme Expansion bei T1T_1 von V1V_1 auf V2V_2, gefolgt von einer isochoren Zustandsänderung bei V2V_2 von T1T_1 auf T2T_2;
  • Γ2\Gamma_2: eine isochore Zustandsänderung bei V1V_1 von T1T_1 auf T2T_2, gefolgt von einer isothermen Expansion bei T2T_2 von V1V_1 auf V2V_2.

  1. Stellen Sie für den Fall T2>T1T_2>T_1 und V2>V1V_2>V_1 die Wege Γ1\Gamma_1 und Γ2\Gamma_2 im Clapeyron-Diagramm (P,V)(P,V) dar. Geben Sie die Zwischenzustände und die Durchlaufrichtung an.
  2. Berechnen Sie die aufgenommene Arbeit W1W_1 und W2W_2 entlang der beiden Wege. Welchen Wert hat ihre Differenz W1W2W_1-W_2?
  3. Bestimmen Sie W1W2W_1-W_2 geometrisch und ohne die beiden Integrale erneut einzeln zu berechnen aus der Fläche zwischen den beiden Wegen im Clapeyron-Diagramm.
  4. Berechnen Sie ΔU\Delta U entlang der beiden Wege und leiten Sie daraus Q1Q_1 und Q2Q_2 her. Welche Schlussfolgerung ergibt sich für δQ\delta Q?
  5. Numerische Anwendung: n=1n=1 mol, T1=300T_1=300 K, T2=600T_2=600 K und V2=2V1V_2=2V_1.

Hinweis

Hinweis
Im Clapeyron-Diagramm ist eine Isochore eine vertikale Linie, und für die Isotherme eines idealen Gases gilt P=nRT/VP=nRT/V. Die Isotherme mit der Temperatur T2T_2 liegt oberhalb derjenigen mit der Temperatur T1T_1. Eine Isochore trägt nicht zur Druckarbeit bei. Für Frage 3 ist zu beachten, dass die aufgenommene Arbeit das Negative der algebraischen Fläche unter dem Weg im Diagramm (P,V)(P,V) ist.

Ausführliche Lösung

Lösung
Frage 1. Der Zwischenzustand des Weges Γ1\Gamma_1 werde mit CC und derjenige des Weges Γ2\Gamma_2 mit DD bezeichnet. Ihre Drücke und Volumina sind

A=(nRT1V1,V1),C=(nRT1V2,V2),D=(nRT2V1,V1),B=(nRT2V2,V2).\begin{aligned} A&=\left(\frac{nRT_1}{V_1},V_1\right),& C&=\left(\frac{nRT_1}{V_2},V_2\right),\\ D&=\left(\frac{nRT_2}{V_1},V_1\right),& B&=\left(\frac{nRT_2}{V_2},V_2\right). \end{aligned}

Da T2>T1T_2>T_1 gilt, liegt die Isotherme T2T_2 oberhalb der Isotherme T1T_1. Der Weg Γ1\Gamma_1 verläuft von AA nach CC, nach rechts entlang der unteren Isotherme T1T_1, und anschließend vertikal von CC nach BB entlang der Isochore V2V_2. Der Weg Γ2\Gamma_2 verläuft zunächst vertikal von AA nach DD entlang der Isochore V1V_1 und anschließend nach rechts von DD nach BB entlang der oberen Isotherme T2T_2. Die Pfeilrichtungen der beiden Wege lauten somit

Γ1:AT=T1CV=V2B,Γ2:AV=V1DT=T2B.\Gamma_1:A\xrightarrow{\,T=T_1\,}C\xrightarrow{\,V=V_2\,}B, \qquad \Gamma_2:A\xrightarrow{\,V=V_1\,}D\xrightarrow{\,T=T_2\,}B.
Die Wege _1 und _2 im Clapeyron-Diagramm. Die grauen Kurven stellen die Verlängerungen der Isothermen T_1 und T_2 dar.
Abbildung 1. Die Wege Γ1\Gamma_1 und Γ2\Gamma_2 im Clapeyron-Diagramm. Die grauen Kurven stellen die Verlängerungen der Isothermen T1T_1 und T2T_2 dar.

Frage 2. Mit der Konvention der vom Gas aufgenommenen Arbeit gilt δW=PdV\delta W=-P\,\mathrm{d}V. Eine Isochore trägt nicht bei, und auf einer Isotherme mit der Temperatur TT gilt

W=V1V2nRTVdV=nRTlnV2V1.W=-\int_{V_1}^{V_2}\frac{nRT}{V}\,\mathrm{d}V =-nRT\ln\frac{V_2}{V_1}.

Damit erhält man

W1=nRT1lnV2V1,W2=nRT2lnV2V1,W_1=-nRT_1\ln\frac{V_2}{V_1}, \qquad W_2=-nRT_2\ln\frac{V_2}{V_1},

und anschließend

W1W2=nR(T2T1)lnV2V10.W_1-W_2 =nR(T_2-T_1)\ln\frac{V_2}{V_1}\neq 0.

Anfangs- und Endzustand sind identisch, doch die Arbeiten unterscheiden sich: δW\delta W ist kein exaktes Differential.

Frage 3. Die Isochoren überstreichen keine Fläche. Da die aufgenommene Arbeit das Negative der Fläche unter der Kurve ist, entspricht die Differenz W1W2W_1-W_2 der Fläche zwischen den Isothermen T2T_2 und T1T_1:

W1W2=V1V2(nRT2VnRT1V)dV=nR(T2T1)lnV2V1>0.W_1-W_2 =\int_{V_1}^{V_2}\left(\frac{nRT_2}{V}-\frac{nRT_1}{V}\right)\mathrm{d}V =nR(T_2-T_1)\ln\frac{V_2}{V_1}>0.

Damit ergibt sich erneut das Ergebnis aus Frage 2.

Frage 4. Die innere Energie des einatomigen idealen Gases hängt nur von der Temperatur ab. Ihre Änderung ist daher auf beiden Wegen gleich:

ΔU=UBUA=32nR(T2T1).\Delta U=U_B-U_A=\frac{3}{2}nR(T_2-T_1).

Aus dem ersten Hauptsatz ΔU=W+Q\Delta U=W+Q folgt Q=ΔUWQ=\Delta U-W und damit

Q1=32nR(T2T1)+nRT1lnV2V1,Q2=32nR(T2T1)+nRT2lnV2V1.\begin{aligned} Q_1&=\frac{3}{2}nR(T_2-T_1) +nRT_1\ln\frac{V_2}{V_1},\\ Q_2&=\frac{3}{2}nR(T_2-T_1) +nRT_2\ln\frac{V_2}{V_1}. \end{aligned}

Somit gilt

Q2Q1=nR(T2T1)lnV2V10.Q_2-Q_1=nR(T_2-T_1)\ln\frac{V_2}{V_1}\neq 0.

Auch die ausgetauschte Wärme hängt vom Weg ab: δQ\delta Q ist kein exaktes Differential, im Gegensatz zu dU\mathrm{d}U.

Frage 5. Mit ln20,693\ln 2\simeq0{,}693 gilt

W11,73 kJ,W23,46 kJ,ΔU3,74 kJ,Q15,47 kJ,Q27,20 kJ.\begin{aligned} W_1&\simeq-1{,}73\ \mathrm{kJ},& W_2&\simeq-3{,}46\ \mathrm{kJ},\\ \Delta U&\simeq3{,}74\ \mathrm{kJ},& Q_1&\simeq5{,}47\ \mathrm{kJ},& Q_2&\simeq7{,}20\ \mathrm{kJ}. \end{aligned}

Das Gas verrichtet entlang Γ2\Gamma_2 doppelt so viel Arbeit und nimmt die entsprechende zusätzliche Wärme auf.