Gelöste Thermodynamikaufgabe

Gleichgewicht unter Zwangsbedingungen oder stationärer Zustand?

Übung 6 · Lektion 3 — Grundlegende Begriffe

  • thermodynamisches Gleichgewicht
  • stationärer Zustand
  • Zwangsbedingungen
  • Flüsse
  • offenes System

Aufgabenstellung

Wir betrachten drei idealisierte Situationen und vernachlässigen dabei die Schwerkraft.

  • Zwei Gase, jedes für sich im inneren Gleichgewicht, befinden sich in einem isolierten Behälter. Eine starre, adiabatische und undurchlässige Trennwand trennt sie. Ihre Temperaturen und ihre Drücke sind verschieden.
  • Ein Metallstab steht an seinen Enden mit zwei Wärmereservoiren bei in Kontakt. Seine Mantelfläche ist wärmeisoliert. Sein Temperaturprofil ändert sich zeitlich nicht mehr, doch durchströmt ihn ein von null verschiedener Wärmestrom.
  • Ein Behälter wird mit Wasser gespeist und mit demselben konstanten Massenstrom entleert. Sein Füllstand, seine Temperatur und die an jedem Punkt beobachtete Strömung ändern sich zeitlich nicht mehr.

  1. Skizzieren Sie jede Situation. Grenzen Sie dabei das untersuchte System ab und tragen Sie den Austausch ein, der seine Grenze überschreitet.
  2. Ordnen Sie jede Situation ein: thermodynamisches Gleichgewicht unter den auferlegten Zwangsbedingungen oder stationärer Nichtgleichgewichtszustand? Begründen Sie dies anhand der Flüsse und nicht nur damit, dass keine zeitliche Entwicklung stattfindet.
  3. In der ersten Situation wird die Trennwand diatherm gemacht, bleibt aber starr und undurchlässig. Welche Entwicklung wird möglich? Welche Gleichheit muss im Endgleichgewicht erfüllt sein? Müssen die Drücke zwangsläufig gleich werden?
  4. Die Trennwand bleibt nun dagegen adiabatisch und undurchlässig, wird aber durch einen reibungsfrei beweglichen Kolben ohne äußere Kraft ersetzt, der sich anfangs in Ruhe befindet. Welcher Unterschied setzt ihn in Bewegung? Welche Gleichheit erzwingt das mechanische Gleichgewicht, falls ein Endzustand der Ruhe erreicht wird?

Hinweis

Hinweis
Eine Zwangsbedingung kann einen Temperatur- oder Druckunterschied aufrechterhalten, ohne einen Fluss zuzulassen. Ein zufließender Fluss, der dem abfließenden gleich ist, kann ebenfalls Größen konstant halten, doch das ist kein Gleichgewicht.

Ausführliche Lösung

Lösung
Frage 1. Bei den beiden Gasen legt man die Grenze um den gesamten Behälter: Kein Austausch überschreitet seine äußere Grenze, und kein Transfer durchquert die Trennwand. Auf beiden Seiten trägt man und ein. Beim Stab allein treten die Wärmepfeile am heißen Ende ein und am kalten Ende aus. Bei dem durch den Behälter abgegrenzten Kontrollvolumen tritt ein Materiepfeil durch den Zulauf ein und ein anderer durch den Ablauf aus; diese Materie transportiert auch Energie. Frage 2. Die beiden Gase sind unter den auferlegten Zwangsbedingungen im Gleichgewicht. Die Trennwand verhindert Wärmeaustausch, mechanische Verschiebung und Materieaustausch. Die Unterschiede und lösen daher keine zulässige Entwicklung aus. Der Stab ist stationär, aber nicht im Gleichgewicht: Thermische Energie durchströmt ihn fortwährend. Eine an jedem Punkt zeitlich konstante Temperatur bedeutet weder eine räumlich einheitliche Temperatur noch das Fehlen von Flüssen. Auch der Behälter befindet sich in einem stationären Nichtgleichgewichtszustand. Bezeichnen und die positiven Massenströme, so liefert die Massenbilanz

Die enthaltene Masse ist konstant, doch jeder der beiden Massenströme ist von null verschieden. Das Wasser wird ständig erneuert: Das gewählte System ist offen.

Frage 3. Die Aufhebung der Wärmeisolierung erlaubt eine Übertragung vom heißen zum kalten Gas. Im Endgleichgewicht gilt . Da die Trennwand starr bleibt, kann sie einen Druckunterschied aufnehmen: Nichts erzwingt . Bei zwei idealen Gasen etwa können die Verhältnisse und verschieden sein, also auch die Drücke und . Frage 4. Hat der Kolben die Querschnittsfläche , so beträgt die Resultierende der Druckkräfte, von 1 nach 2 gerichtet, . Sie ist anfangs von null verschieden und setzt den Kolben in Bewegung. In einem Endzustand der Ruhe folgt aus die Bedingung . Dass die Wand adiabatisch ist, erzwingt keine Gleichheit der Temperaturen. Die Existenz eines Endzustands der Ruhe steht hier unter Vorbehalt: Die Kräftebilanz allein beschreibt nicht die Dämpfung etwaiger Schwingungen.