Gelöste Thermodynamikaufgabe

Ideales Gas: Entropieänderungen

Übung 17 · Lektion 6 — Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik

  • Entropie
  • ideales Gas
  • Zustandsfunktion
  • reversibler Weg
  • isentrop
  • Adiabatengleichung

Aufgabenstellung

Betrachtet werden nn Mol eines idealen Gases mit konstanter molarer Wärmekapazität cVc_V, das durch eine beliebige Zustandsänderung vom Gleichgewichtszustand (TI,VI)(T_I, V_I) in den Gleichgewichtszustand (TF,VF)(T_F, V_F) übergeht.

  1. Zeigen Sie, dass die Entropieänderung zwischen beiden Zuständen gegeben ist durch ΔS=ncVln⁡TFTI+nRln⁡VFVI.\Delta S = nc_V\ln\frac{T_F}{T_I} + nR\ln\frac{V_F}{V_I}. Warum gilt diese Formel auch für eine irreversible Zustandsänderung zwischen denselben Zuständen?
  2. Leiten Sie daraus die Ausdrücke für dS\mathrm{d}S und ΔS\Delta S in den Variablen (T,P)(T,P) ab. Es gilt die Mayer-Beziehung cP=cV+Rc_P = c_V + R.
  3. Welche Kurve beschreibt ΔS=0\Delta S = 0 in den Variablen (T,V)(T,V)? Leiten Sie die Adiabatengleichung her und begründen Sie, warum eine reversible adiabatische Zustandsänderung isentrop heißt.
  4. Berechnen Sie für n=1 moln=1\ \mathrm{mol} eines einatomigen Gases (cV=32Rc_V=\frac32R), anfangs bei 300 K300\ \mathrm K, die Änderung ΔS\Delta S bei: (a) einer isothermen Expansion auf das doppelte Volumen; (b) einer isochoren Erwärmung von 300 K300\ \mathrm K auf 600 K600\ \mathrm K; (c) Expansion (a) mit anschließender Erwärmung (b). Gegeben ist R=8,314 J mol−1 K−1R=8{,}314\ \mathrm{J\,mol^{-1}\,K^{-1}}.

Hinweis

Hinweis
Entlang eines reversiblen Weges gilt dS=δQrev/T\mathrm{d}S = \delta Q_{\text{rev}}/T mit δQrev=dU+P dV\delta Q_{\text{rev}} = \mathrm{d}U + P\,\mathrm{d}V. Trennen Sie mithilfe der Zustandsgleichung die Variablen. SS ist eine Zustandsfunktion: Ihre Änderung ist wegunabhängig.

Ausführliche Lösung

Lösung
Frage 1. Wir wählen einen reversiblen Weg zwischen beiden Zuständen. Die vom Gas aufgenommene Arbeit beträgt δW=−P dV\delta W=-P\,\mathrm dV. Der erste Hauptsatz liefert

dU=δQrev−P dV,δQrev=dU+P dV.\mathrm dU=\delta Q_{\mathrm{rev}}-P\,\mathrm dV, \qquad \delta Q_{\mathrm{rev}}=\mathrm dU+P\,\mathrm dV.

Für nn Mol gelten dU=ncV dT\mathrm dU=nc_V\,\mathrm dT und P=nRT/VP=nRT/V. Einsetzen und anschließendes Dividieren durch TT ergibt

dS=δQrevT=ncVdTT+nRdVV.\mathrm dS=\frac{\delta Q_{\mathrm{rev}}}{T} =nc_V\frac{\mathrm dT}{T}+nR\frac{\mathrm dV}{V}.

Zunächst kann die Temperatur bei konstantem Volumen geändert werden, anschließend das Volumen bei konstanter Temperatur. Die Summe der beiden Integrale ergibt

ΔS=ncV∫TITFdTT+nR∫VIVFdVV=ncV[ln⁡T]TITF+nR[ln⁡V]VIVF=ncVln⁡TFTI+nRln⁡VFVI.\begin{aligned} \Delta S&=nc_V\int_{T_I}^{T_F}\frac{\mathrm dT}{T} +nR\int_{V_I}^{V_F}\frac{\mathrm dV}{V}\\ &=nc_V[\ln T]_{T_I}^{T_F}+nR[\ln V]_{V_I}^{V_F}\\ &=nc_V\ln\frac{T_F}{T_I}+nR\ln\frac{V_F}{V_I}. \end{aligned}

Die Entropie ist eine Zustandsfunktion: Das Ergebnis hängt nur vom Anfangs- und Endzustand ab. Es gilt daher auch für einen tatsächlichen irreversiblen Vorgang zwischen diesen Zuständen, obwohl dabei nicht dS=δQ/T\mathrm dS=\delta Q/T angesetzt werden darf.

Frage 2. Bei konstanter Stoffmenge folgt aus V=nRT/PV=nRT/P

VFVI=TFTIPIPF,ln⁡VFVI=ln⁡TFTI−ln⁡PFPI.\frac{V_F}{V_I}=\frac{T_F}{T_I}\frac{P_I}{P_F},\qquad \ln\frac{V_F}{V_I}=\ln\frac{T_F}{T_I}-\ln\frac{P_F}{P_I}.

Einsetzen in das Ergebnis von Frage 1 und Zusammenfassen der Temperaturterme liefert

ΔS=n(cV+R)ln⁡TFTI−nRln⁡PFPI=ncPln⁡TFTI−nRln⁡PFPI.\Delta S=n(c_V+R)\ln\frac{T_F}{T_I}-nR\ln\frac{P_F}{P_I} =nc_P\ln\frac{T_F}{T_I}-nR\ln\frac{P_F}{P_I}.

Dabei wurde die Mayer-Beziehung in der Form cV+R=cPc_V+R=c_P verwendet. Ebenso gilt dV/V=dT/T−dP/P\mathrm dV/V=\mathrm dT/T-\mathrm dP/P, also

dS=ncVdTT+nR(dTT−dPP)=ncPdTT−nRdPP.\mathrm dS=nc_V\frac{\mathrm dT}{T} +nR\left(\frac{\mathrm dT}{T}-\frac{\mathrm dP}{P}\right) =nc_P\frac{\mathrm dT}{T}-nR\frac{\mathrm dP}{P}.

Frage 3. Setzen wir ΔS=0\Delta S=0 und dividieren durch ncVnc_V, so erhalten wir

ln⁡TFTI+RcVln⁡VFVI=0.\ln\frac{T_F}{T_I}+\frac{R}{c_V}\ln\frac{V_F}{V_I}=0.

Mit γ=cP/cV\gamma=c_P/c_V und R/cV=γ−1R/c_V=\gamma-1 folgt aus den Logarithmengesetzen

ln⁡[TFTI(VFVI)γ−1]=0.\ln\left[\frac{T_F}{T_I}\left(\frac{V_F}{V_I}\right)^{\gamma-1}\right]=0.

Das Argument des Logarithmus ist somit 1: TFVFγ−1=TIVIγ−1T_FV_F^{\gamma-1}=T_IV_I^{\gamma-1}, also TVγ−1=constTV^{\gamma-1}=\mathrm{const}. Ersetzt man TT durch PV/(nR)PV/(nR), erhält man auch PVγ=constPV^\gamma=\mathrm{const}. Bei einer reversiblen adiabatischen Zustandsänderung gilt δQrev=0\delta Q_{\mathrm{rev}}=0 und damit bei jedem Schritt dS=0\mathrm dS=0: Die Zustandsänderung ist isentrop.

Frage 4. Für ein Mol gelten ncV=3R/2nc_V=3R/2 und nR=RnR=R. In (a) sind TF/TI=1T_F/T_I=1 und VF/VI=2V_F/V_I=2:

ΔSa=32Rln⁡1+Rln⁡2=Rln⁡2≃5,76 J K−1.\Delta S_a=\frac32R\ln1+R\ln2=R\ln2\simeq5{,}76\ \mathrm{J\,K^{-1}}.

In (b) sind TF/TI=600/300=2T_F/T_I=600/300=2 und VF/VI=1V_F/V_I=1:

ΔSb=32Rln⁡2+Rln⁡1≃8,64 J K−1.\Delta S_b=\frac32R\ln2+R\ln1\simeq8{,}64\ \mathrm{J\,K^{-1}}.

Für die beiden aufeinanderfolgenden Zustandsänderungen addieren sich die Änderungen: ΔS=ΔSa+ΔSb=(5/2)Rln⁡2≃14,4 J K−1\Delta S=\Delta S_a+\Delta S_b=(5/2)R\ln2\simeq14{,}4\ \mathrm{J\,K^{-1}}. Die Zahlenwerte wurden mit R=8,314 J mol−1 K−1R=8{,}314\ \mathrm{J\,mol^{-1}\,K^{-1}} berechnet.