Gelöste Thermodynamikaufgabe

Zwei Gase mit einer inneren Trennwand

Übung 22 · Lektion 6 — Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik

  • zweiter Hauptsatz
  • maximale Entropie
  • abgeschlossenes System
  • diathermische Trennwand
  • bewegliche Trennwand
  • thermisches Gleichgewicht
  • mechanisches Gleichgewicht

Aufgabenstellung

Ein starrer, von der Umgebung isolierter Behälter enthält zwei einatomige ideale Gase, getrennt durch eine anfangs feste, undurchlässige, adiabatische Innenwand. Teilraum 1 enthält n1n_1 Mol bei der Temperatur T1T_1, Teilraum 2 enthält n2=3n1n_2=3n_1 Mol bei der Temperatur T2=T1/2T_2=T_1/2. Beide Teilräume haben anfangs dasselbe Volumen VV. Energie und Wärmekapazität der Trennwand sind vernachlässigbar; nach ihrer Freigabe bewegt sie sich ohne Reibung und ohne zusätzliche Kraft. Die Versuche der Fragen 3 und 5 beginnen jeweils im Anfangszustand. Wir definieren P0=n1RT1/VP_0=n_1RT_1/V.

  1. Skizzieren Sie den Behälter. Beschriften Sie Gase, innere Trennwand, Stoffmengen sowie anfängliche Temperaturen, Volumina und Drücke. Reicht ein Temperatur- oder Druckunterschied aus, um eine Zustandsänderung auszulösen, solange die Trennwand fest, undurchlässig und adiabatisch bleibt?
  2. Drücken Sie beide Anfangsdrücke algebraisch durch P0P_0 aus.
  3. Die Trennwand wird diathermisch, bleibt aber fest und undurchlässig. Begründen Sie mit dem ersten und zweiten Hauptsatz die Bedingung des thermischen Gleichgewichts und bestimmen Sie Endtemperatur und Enddrücke.
  4. Berechnen Sie die zwischen den Gasen ausgetauschte Energie und benennen Sie ihre Form. Stellen Sie die Entropiebilanz des Gesamtsystems auf und überprüfen Sie, dass die erzeugte Entropie positiv ist.
  5. In einem zweiten Versuch wird die Trennwand diathermisch und beweglich. Untersuchen Sie die Stationarität der Entropie des abgeschlossenen Systems, um die Bedingungen des thermischen und mechanischen Gleichgewichts zu begründen. Bestimmen Sie Endtemperatur, Enddruck und Endvolumina und stellen Sie die Entropiebilanz auf. Vergleichen Sie mit der festen Trennwand.

Hinweis

Hinweis
Das Gesamtsystem ist abgeschlossen: Seine innere Energie bleibt erhalten, und seine Entropie ist im Gleichgewicht maximal. Für ein ideales Gas gilt

dS=dUT+PT dV.\mathrm{d}S=\frac{\mathrm{d}U}{T}+\frac{P}{T}\,\mathrm{d}V.

Ausführliche Lösung

Lösung

Figure
Abbildung 1

Frage 1. Die Skizze zeigt einen starren Behälter mit dem Gesamtvolumen 2V2V, geteilt durch eine Trennwand. Links: (n1,T1,V,P0)(n_1,T_1,V,P_0); rechts: (3n1,T1/2,V,P2,i)(3n_1,T_1/2,V,P_{2,i}). Die Außenwände sind adiabatisch. Eine feste, undurchlässige, adiabatische Innenwand erlaubt keinen Austausch: Jedes Gas behält seinen Zustand, auch bei unterschiedlichen Temperaturen und Drücken. Die Halterung der Trennwand trägt den Druckunterschied.

Frage 2 — Algebraische Rechnung. Die ideale Gasgleichung liefert

P1,i=n1RT1V=P0,P2,i=3n1R(T1/2)V=32P0.P_{1,i}=\frac{n_1RT_1}{V}=P_0, \qquad P_{2,i}=\frac{3n_1R(T_1/2)}{V}=\frac32P_0.

Frage 3 — Feste diathermische Trennwand. Bei einer kleinen Energieübertragung mit dU2=−dU1\mathrm{d}U_2=-\mathrm{d}U_1 bleiben die Volumina konstant: Für jedes Gas gilt dSj=dUj/Tj\mathrm dS_j=\mathrm dU_j/T_j. Die Addition ergibt

dStot=dU1T1+dU2T2=dU1T1−dU1T2.\mathrm dS_{\mathrm{tot}}=\frac{\mathrm dU_1}{T_1} +\frac{\mathrm dU_2}{T_2} =\frac{\mathrm dU_1}{T_1}-\frac{\mathrm dU_1}{T_2}.

Die Temperaturen in dieser Variation beziehen sich auf den betrachteten Zustand. Ausklammern ergibt

dStot=(1T1−1T2)dU1.\mathrm{d}S_{\mathrm{tot}} =\left(\frac1{T_1}-\frac1{T_2}\right)\mathrm{d}U_1.

Im Gleichgewicht ist die Entropie maximal; der Koeffizient von dU1\mathrm{d}U_1 muss daher verschwinden, also T1,f=T2,f=TfT_{1,f}=T_{2,f}=T_f. Energieerhaltung liefert

n132R(Tf−T1)+3n132R(Tf−T12)=0,n_1\frac32R(T_f-T_1) +3n_1\frac32R\left(T_f-\frac{T_1}{2}\right)=0,

Division der Energiebilanz durch (3/2)n1R(3/2)n_1R ergibt

(Tf−T1)+3(Tf−T12)=0,4Tf−52T1=0,Tf=58T1.(T_f-T_1)+3\left(T_f-\frac{T_1}{2}\right)=0, \quad 4T_f-\frac52T_1=0, \quad T_f=\frac58T_1.

Dann gelten P1,f=n1RTf/V=(Tf/T1)P0P_{1,f}=n_1RT_f/V=(T_f/T_1)P_0 und P2,f=3n1RTf/V=3(Tf/T1)P0P_{2,f}=3n_1RT_f/V=3(T_f/T_1)P_0, somit

Tf=58T1,P1,f=58P0,P2,f=158P0.T_f=\frac58T_1, \qquad P_{1,f}=\frac58P_0, \qquad P_{2,f}=\frac{15}{8}P_0.

Da die Trennwand fest ist, müssen die Gase nicht im mechanischen Gleichgewicht sein: Ihre Enddrücke dürfen sich unterscheiden.

Frage 4 — Entropiebilanz. Gas 2 nimmt Energie ausschließlich als Wärme auf,

Q1→2=ΔU2=3n132R(58T1−12T1)=916n1RT1.Q_{1\to2}=\Delta U_2 =3n_1\frac32R\left(\frac58T_1-\frac12T_1\right) =\frac9{16}n_1RT_1.

Gas 1 nimmt die entgegengesetzte Wärme auf: Q1=−Q1→2<0Q_1=-Q_{1\to2}<0, während Q2=Q1→2>0Q_2=Q_{1\to2}>0. Die Trennwand ist fest, daher W1=W2=0W_1=W_2=0. Das Gesamtsystem ist abgeschlossen, daher Se=0S_{\mathrm{e}}=0 und Si=ΔStotS_{\mathrm{i}}=\Delta S_{\mathrm{tot}}. Bei konstanten Volumina gilt

ΔS1=32n1Rln⁡TfT1=32n1Rln⁡58,ΔS2=32(3n1)Rln⁡TfT1/2=92n1Rln⁡54.\Delta S_1=\frac32n_1R\ln\frac{T_f}{T_1} =\frac32n_1R\ln\frac58, \Delta S_2=\frac32(3n_1)R\ln\frac{T_f}{T_1/2} =\frac92n_1R\ln\frac54.

Gas 1 verliert Entropie, Gas 2 gewinnt Entropie. Ihre Summe beträgt

Si=32n1R[ln⁡ ⁣(58)+3ln⁡ ⁣(54)]>0.S_{\mathrm{i}} =\frac32n_1R\left[ \ln\!\left(\frac58\right) +3\ln\!\left(\frac54\right) \right]>0.

Diese Entropieerzeugung beschreibt die spontane Wärmeübertragung zwischen anfangs unterschiedlich temperierten Gasen. Zur Vorzeichenprüfung ohne Zahlenwerte fassen wir die Logarithmen zusammen:

ln⁡58+3ln⁡54=ln⁡[58(54)3]=ln⁡625512>0.\ln\frac58+3\ln\frac54 =\ln\left[\frac58\left(\frac54\right)^3\right] =\ln\frac{625}{512}>0.

Frage 5 — Bewegliche diathermische Trennwand. Mit dU2=−dU1\mathrm{d}U_2=-\mathrm{d}U_1 und dV2=−dV1\mathrm{d}V_2=-\mathrm{d}V_1 gilt

dStot=(1T1−1T2)dU1+(P1T1−P2T2)dV1.\mathrm{d}S_{\mathrm{tot}} =\left(\frac1{T_1}-\frac1{T_2}\right)\mathrm{d}U_1 +\left(\frac{P_1}{T_1}-\frac{P_2}{T_2}\right)\mathrm{d}V_1.

Die Trennwand erlaubt eine unabhängige Umverteilung von Energie und Volumen. Stationarität muss daher für jedes dU1\mathrm dU_1 und jedes dV1\mathrm dV_1 gelten: Beide Koeffizienten verschwinden. Der erste verlangt T1,f=T2,fT_{1,f}=T_{2,f}; der zweite liefert dann P1,f/Tf=P2,f/TfP_{1,f}/T_f=P_{2,f}/T_f, also P1,f=P2,fP_{1,f}=P_{2,f}. Energieerhaltung ergibt wieder Tf=5T1/8T_f=5T_1/8. Bei gemeinsamem Druck und gemeinsamer Temperatur sind die Volumina proportional zu den Stoffmengen. Da ihre Summe 2V2V ist,

V2,fV1,f=3n1RTf/Pfn1RTf/Pf=3,V1,f+3V1,f=2V.\frac{V_{2,f}}{V_{1,f}}=\frac{3n_1RT_f/P_f}{n_1RT_f/P_f}=3, \qquad V_{1,f}+3V_{1,f}=2V.

Somit V1,f=V/2V_{1,f}=V/2 und V2,f=3V/2V_{2,f}=3V/2.

Der gemeinsame Druck beträgt Pf=n1R(5T1/8)/(V/2)=(5/4)P0P_f=n_1R(5T_1/8)/(V/2)=(5/4)P_0. Daher

V1,f=V2,V2,f=3V2,Pf=54P0.V_{1,f}=\frac V2, \qquad V_{2,f}=\frac{3V}{2}, \qquad P_f=\frac54P_0.

Die Änderungen der inneren Energie sind dieselben wie bei der festen Trennwand, doch nun wird Energie sowohl als Wärme als auch als Arbeit ausgetauscht. Die Entropiebilanz enthält dieselben Temperaturterme wie in Frage 4 und zusätzliche Volumenterme:

ΔS1=32n1Rln⁡58+n1Rln⁡V/2V,ΔS2=92n1Rln⁡54+3n1Rln⁡3V/2V.\Delta S_1=\frac32n_1R\ln\frac58+n_1R\ln\frac{V/2}{V}, \Delta S_2=\frac92n_1R\ln\frac54+3n_1R\ln\frac{3V/2}{V}.

Die Addition ergibt

Si=ΔStot=32n1R[ln⁡ ⁣(58)+3ln⁡ ⁣(54)]+n1R[ln⁡ ⁣(12)+3ln⁡ ⁣(32)]>0.S_{\mathrm{i}}=\Delta S_{\mathrm{tot}} =\frac32n_1R\left[ \ln\!\left(\frac58\right)+3\ln\!\left(\frac54\right) \right] +n_1R\left[ \ln\!\left(\frac12\right)+3\ln\!\left(\frac32\right) \right]>0.

Die Zunahme gegenüber dem Fall der festen Trennwand beträgt

n1R[ln⁡12+3ln⁡32]=n1Rln⁡[12(32)3]=n1Rln⁡2716>0.n_1R\left[\ln\frac12+3\ln\frac32\right] =n_1R\ln\left[\frac12\left(\frac32\right)^3\right] =n_1R\ln\frac{27}{16}>0.

Die Freigabe der Trennwand erhöht somit die für das System erreichbare Endentropie.