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Mathematische Struktur: die fundamentalen Beziehungen

Fundamentale Beziehungen und thermodynamische Potentiale.

Offene SystemeFundamentale BeziehungenEnergiedarstellungEntropiedarstellungMaxwell-BeziehungenGibbs-Duhem-BeziehungEuler-TheoremDritter HauptsatzThermodynamische StabilitätKonvexität

In der vorigen Lektion haben wir die Entropie und den zweiten Hauptsatz eingeführt und daraus die Fundamentalgleichung dU=T dS−P dVdU=T\,dS-P\,dV für ein geschlossenes System hergeleitet. Nun untersuchen wir, was diese Beziehung über die Variablen eines thermodynamischen Systems und ihre gegenseitigen Abhängigkeiten aussagt. Wir betrachten hier ein einfaches System: einen reinen Stoff (mit nur einer chemischen Komponente), der homogen ist (an jedem Ort dieselben lokalen makroskopischen Eigenschaften besitzt) und an dem ausschließlich Druckarbeit verrichtet wird. Im Laufe dieser Lektion zeigen wir auch, wie sich diese Beschreibung auf Gemische aus mehreren chemischen Spezies verallgemeinern lässt.

1. Die Fundamentalgleichung verstehen

Bevor wir diese Beziehung interpretieren, erweitern wir sie auf offene Systeme, um unmittelbar den Fall einer veränderlichen Stoffmenge zu behandeln.

1.1. Erweiterung auf offene Systeme

In Lektion 6 betrachteten wir einen lokal reversiblen Weg zwischen zwei benachbarten Gleichgewichtszuständen eines geschlossenen Systems. Daraus erhielten wir δQrev=T dS\delta Q_{\mathrm{rev}}=T\,dS und δWrev=−P dV\delta W_{\mathrm{rev}}=-P\,dV und anschließend

dU=T dS−P dV,dU=T\,dS-P\,dV,

mithilfe des ersten Hauptsatzes. In einem offenen System kann sich die Teilchenzahl NN ändern. Das Energiedifferential enthält dann einen zusätzlichen Term:

Definition 1 (Fundamentalgleichung und chemisches Potential)
Für ein offenes System aus einer einzigen chemischen Spezies, an dem ausschließlich Druckarbeit verrichtet wird, lautet die Fundamentalgleichung zwischen benachbarten Gleichgewichtszuständen:

dU=TdS−PdV+μdN\boxed{dU=T dS-P dV+\mu dN}
(1)

Der Koeffizient μ\mu heißt chemisches Potential.

Dabei behandeln wir NN als kontinuierliche Variable, obwohl es sich streng genommen um eine ganze Zahl handelt. Diese Näherung ist für makroskopische Systeme mit N≫1N\gg1 geeignet.

Trotz seines Namens tritt der Koeffizient μ\mu auch ohne chemische Reaktion auf. Um seine Bedeutung zu verstehen, halten wir SS und VV fest: Es bleibt dU=μ dNdU=\mu\,dN. Das chemische Potential misst somit die Änderung der inneren Energie pro hinzugefügtem Teilchen bei konstanter Entropie und konstantem Volumen. Es hat die Dimension einer Energie.

Eine anschauliche Vorstellung ergibt sich aus der Analogie zur Temperatur: So wie Wärme spontan von einem warmen in ein kaltes Medium fließt, gehen Teilchen einer Spezies bei gleicher Temperatur bevorzugt aus dem Medium mit höherem chemischem Potential in dasjenige mit niedrigerem chemischem Potential über, sofern die Wand sie durchlässt. Die Gleichheit der chemischen Potentiale ist daher eine Gleichgewichtsbedingung für den Stoffaustausch, ebenso wie die Gleichheit der Temperaturen eine Bedingung für das thermische Gleichgewicht ist. Dies werden wir in Abschnitt 6 ausdrücklich beweisen.

1.2. Fundamentale Variablen und Zustandsgleichungen

Inzwischen haben wir viele thermodynamische Variablen eingeführt: UU, SS, VV, NN, TT, PP und μ\mu. Diese Vielzahl verwirrt Studierende häufig. Daher stellt sich die Frage: Lassen sich diese Variablen unabhängig voneinander wählen? Falls nicht, welche muss man vorgeben, um die übrigen zu bestimmen? Wir haben bereits gesehen, dass einige durch eine Zustandsgleichung miteinander verknüpft sind, etwa beim idealen Gas. Doch wie viele Zustandsgleichungen besitzt ein einfaches System, und wie viele tatsächlich unabhängige Variablen bleiben übrig?

Die Fundamentalgleichung beantwortet diese entscheidende Frage. Erinnern wir uns dazu an die Definition des Differentials einer Funktion f(x,y,z)f(x,y,z):

df=(∂f∂x)y,zdx+(∂f∂y)x,zdy+(∂f∂z)x,ydz.df=\drp{f}{x}{y,z}dx+\drp{f}{y}{x,z}dy+\drp{f}{z}{x,y}dz.

Der Vergleich mit der Beziehung dU=T dS−P dV+μ dNdU=T\,dS-P\,dV+\mu\,dN führt zu zwei Folgerungen.

Eigenschaft 1 (Natürliche Variablen und Zustandsgleichungen)
Erstens lässt sich die innere Energie als Funktion von nur drei unabhängigen Variablen ausdrücken: SS, VV und NN. In dieser sogenannten Energiedarstellung heißen sie die fundamentalen Variablen. Man nennt sie auch die natürlichen Variablen von UU und schreibt U=U(S,V,N)U=U(S,V,N). Zweitens erhalten wir durch Koeffizientenvergleich bei dSdS, dVdV und dNdN drei Beziehungen:

T(S,V,N)=(∂U∂S)V,N,P(S,V,N)=−(∂U∂V)S,N,μ(S,V,N)=(∂U∂N)S,V\boxed{ T(S,V,N)=\drp{U}{S}{V,N}, P(S,V,N)=-\drp{U}{V}{S,N}, \mu(S,V,N)=\drp{U}{N}{S,V} }
(2)

Diese drei Beziehungen sind die Zustandsgleichungen: Sie geben TT, PP und μ\mu als Funktionen von SS, VV und NN an.

Die Rolle der verschiedenen Variablen in dU=T dS−P dV+μ dNdU=T\,dS-P\,dV+\mu\,dN muss klar sein. Dass TT, PP und μ\mu darin auftreten, bedeutet nicht, dass sie als drei weitere unabhängige Variablen zu SS, VV und NN hinzukommen. Sie sind die Koeffizienten des Differentials und selbst Funktionen von SS, VV und NN: T=T(S,V,N)T=T(S,V,N), und entsprechend für PP und μ\mu. Die nichttriviale Aussage der Fundamentalgleichung besteht darin, dass diese drei Funktionen die Ableitungen derselben Funktion U(S,V,N)U(S,V,N) sind. Ihre Änderungen werden somit bereits durch die Änderungen von SS, VV und NN erfasst; sie fügen dieser Beschreibung keine drei unabhängigen Variablen hinzu.

Damit sind die sieben eingeführten Parameter nicht alle unabhängig. Für ein gegebenes einfaches System reichen drei extensive Parameter, SS, VV und NN, aus, um den Gleichgewichtszustand zu bestimmen: Die Funktion U(S,V,N)U(S,V,N) liefert die innere Energie, ihre drei Ableitungen liefern Temperatur, Druck und chemisches Potential.

Man muss also zwischen der Angabe der Parameter S,V,NS, V, N, die den Zustand des Systems festlegt, und der Angabe der Funktion U(S,V,N)U(S,V,N) unterscheiden, die das System selbst beschreibt. Diese Funktion heißt Fundamentalgleichung des Systems in der Energiedarstellung. Die Differentialbeziehung (1) gilt für alle einfachen Systeme, doch die Funktion UU unterscheidet sich von System zu System: Für ein ideales Gas, ein reales Gas, eine Flüssigkeit oder einen Festkörper hat sie jeweils eine andere Form.

Bemerkung 1 (Verallgemeinerung auf rr chemische Spezies)
Bei einem Gemisch aus rr chemischen Spezies muss die Teilchenzahl NiN_i jeder Spezies angegeben werden. Die Fundamentalgleichung lautet dann dU=T dS−P dV+∑i=1rμi dNidU=T\,dS-P\,dV+\sum_{i=1}^{r}\mu_i\,dN_i

Jede Spezies besitzt somit ihr eigenes chemisches Potential. Die Fundamentalfunktion lautet dann U(S,V,N1,...,Nr)U(S,V,N_1,...,N_r), wobei

μi=(∂U∂Ni)S,V,Nj≠i.\mu_i=\drp{U}{N_i}{S,V,N_{j\ne i}}.

Die Ableitung wird bei konstanter Entropie, konstantem Volumen und konstanten Teilchenzahlen der übrigen Spezies gebildet.

1.3. Beispiel des einatomigen idealen Gases

Betrachten wir das einatomige ideale Gas, für das wir bereits den Ausdruck

U=32NkBT.U=\frac{3}{2}Nk_BT.

kennen. Er gibt UU als Funktion von TT und NN an. Um ihn in der Form U(S,V,N)U(S,V,N) zu schreiben, müssen wir noch TT durch SS, VV und NN ausdrücken. Solange diese Abhängigkeit unbekannt ist, können wir die beiden letzten Zustandsgleichungen nicht unmittelbar mit den obigen Ableitungen von UU berechnen. Insbesondere wäre es falsch, aus dem Fehlen von VV im Ausdruck für UU zu schließen, dass der Druck null sei: Bei festem SS und NN hängt TT vom Volumen ab. Ebenso muss bei der Berechnung von μ\mu die Abhängigkeit von TT von NN bei festem SS und VV berücksichtigt werden. Tatsächlich liefern die Zustandsgleichungen

P=−32NkB(∂T∂V)S,N,μ=32kBT+32NkB(∂T∂N)S,V.P=-\frac{3}{2}Nk_B\drp{T}{V}{S,N}, \qquad \mu=\frac{3}{2}k_BT+\frac{3}{2}Nk_B\drp{T}{N}{S,V}.

Diese partiellen Ableitungen berechnen wir in Abschnitt 5: Die erste liefert wieder die Zustandsgleichung PV=NkBTPV=Nk_BT, die zweite das chemische Potential des idealen Gases.

1.4. Die Maxwell-Relationen

Die Maxwell-Relationen sind thermodynamische Identitäten, die unabhängig vom betrachteten Stoff gelten. Sie folgen aus der Gleichheit gemischter partieller Ableitungen: Sind die zweiten Ableitungen von UU stetig, so erlaubt der Satz von Schwarz, die Reihenfolge der Ableitungen zu vertauschen.

Wenden wir ihn bei festem NN auf die Variablen SS und VV an:

∂2U∂V∂S=∂2U∂S∂V.\frac{\partial^2U}{\partial V\partial S} =\frac{\partial^2U}{\partial S\partial V}.

Auf der linken Seite wird zunächst UU nach SS bei konstantem VV und NN abgeleitet, danach die erhaltene Funktion nach VV bei konstantem SS und NN. Nach den Zustandsgleichungen (2) gilt (∂U∂S)V,N=T\drp{U}{S}{V,N}=T. Diese Seite ergibt somit

∂2U∂V∂S=(∂∂V)S,N[(∂U∂S)V,N]=(∂T∂V)S,N.\frac{\partial^2U}{\partial V\partial S} =\left(\frac{\partial}{\partial V}\right)_{S,N} \left[\drp{U}{S}{V,N}\right] =\drp{T}{V}{S,N}.

Rechts wird zunächst UU nach VV bei konstantem SS und NN abgeleitet, danach die erhaltene Funktion nach SS bei konstantem VV und NN. Wegen (∂U∂V)S,N=−P\drp{U}{V}{S,N}=-P folgt

∂2U∂S∂V=(∂∂S)V,N[(∂U∂V)S,N]=−(∂P∂S)V,N.\frac{\partial^2U}{\partial S\partial V} =\left(\frac{\partial}{\partial S}\right)_{V,N} \left[\drp{U}{V}{S,N}\right] =-\drp{P}{S}{V,N}.

Die Gleichheit beider Seiten liefert damit die erste Maxwell-Relation:

(∂T∂V)S,N=−(∂P∂S)V,N.\drp{T}{V}{S,N}=-\drp{P}{S}{V,N}.

Dasselbe Vorgehen für die Paare (S,N)(S,N) und (V,N)(V,N) liefert zwei weitere Beziehungen. Die drei Maxwell-Relationen in der Energiedarstellung lauten somit

(∂T∂V)S,N=−(∂P∂S)V,N,(∂T∂N)S,V=(∂μ∂S)V,N,(∂P∂N)S,V=−(∂μ∂V)S,N\boxed{\begin{aligned} \drp{T}{V}{S,N} &=-\drp{P}{S}{V,N},\\ \drp{T}{N}{S,V} &=\drp{\mu}{S}{V,N},\\ \drp{P}{N}{S,V} &=-\drp{\mu}{V}{S,N} \end{aligned}}

Diese Beziehungen folgen unmittelbar aus der Fundamentalgleichung, wenn UU mindestens zweimal stetig differenzierbar ist. Sie sind daher eine starke, modellunabhängige Vorhersage der Thermodynamik: Jeder Stoff, der durch eine solche Fundamentalfunktion beschrieben wird, muss sie erfüllen (unter diesen Regularitätsannahmen für UU).

Umgekehrt existiert lokal eine Funktion UU mit dU=T dS−P dV+μ dNdU=T\,dS-P\,dV+\mu\,dN, wenn die Funktionen TT, PP und μ\mu die Maxwell-Relationen erfüllen (und mindestens C1C^1 sind). Aus den Zustandsgleichungen lässt sich daher durch Integration die Fundamentalfunktion bis auf eine additive Konstante rekonstruieren.

Dieses umgekehrte Vorgehen ist praktisch relevant: Untersucht man einen Stoff im Labor, kennt man seine Fundamentalfunktion U(S,V,N)U(S,V,N) nicht von vornherein. Auch die Entropie selbst lässt sich nicht unmittelbar messen; darauf kommen wir in der nächsten Lektion zurück. Experimente liefern vielmehr Beziehungen zwischen messbaren Größen wie Druck, Volumen und Temperatur. Wie wir in der historischen Lektion gesehen haben, wurde die ideale Gasgleichung PV=NkBTPV=Nk_BT zunächst experimentell ermittelt. Diese Beziehungen müssen dann integriert werden, um die Fundamentalgleichung des untersuchten Stoffes zu erhalten. Für das ideale Gas führen wir diese Rekonstruktion in Abschnitt 5 durch und bestimmen so seine Fundamentalgleichung U(S,V,N)U(S,V,N).

2. Die Entropiedarstellung

In der Energiedarstellung ist UU die abhängige Variable: Wir drücken sie als Funktion von SS, VV und NN aus. Stattdessen können wir die Entropie als abhängige Variable wählen, sofern sich U(S,V,N)U(S,V,N) bei festem VV und NN nach S(U,V,N)S(U,V,N) umkehren lässt. Im Folgenden beschränken wir uns auf Bereiche, in denen diese Umkehrung möglich ist, ohne dies jedes Mal zu erwähnen.

Lösen wir die Fundamentalgleichung für T≠0T\ne0 nach dSdS auf, erhalten wir

dS=1TdU+PTdV−μTdN\boxed{dS=\frac{1}{T}dU+\frac{P}{T}dV-\frac{\mu}{T}dN}
(3)

Dies ist die Fundamentalgleichung in der Entropiedarstellung. Mit derselben Überlegung wie zuvor sind die natürlichen Variablen von SS daher UU, VV und NN:

S=S(U,V,N)\boxed{ S=S(U,V,N) }

Der Koeffizientenvergleich im Differential liefert wiederum drei Zustandsgleichungen

1T=(∂S∂U)V,NPT=(∂S∂V)U,N−μT=(∂S∂N)U,V\boxed{\frac{1}{T}=\drp{S}{U}{V,N}} \qquad \boxed{\frac{P}{T}=\drp{S}{V}{U,N}} \qquad \boxed{-\frac{\mu}{T}=\drp{S}{N}{U,V}}
(4)

Dabei handelt es sich nicht um drei Zustandsgleichungen, die von denen der Energiedarstellung unabhängig wären: Sie enthalten dieselbe Information, lediglich bei einer anderen Wahl der Variablen. Die Funktion S(U,V,N)S(U,V,N) heißt Fundamentalgleichung in der Entropiedarstellung. Sie enthält dieselbe Information wie U(S,V,N)U(S,V,N).

Die Gleichheit der gemischten Ableitungen von SS liefert die Maxwell-Relationen dieser Darstellung:

(∂1/T∂V)U,N=(∂P/T∂U)V,N,(∂1/T∂N)U,V=−(∂μ/T∂U)V,N,(∂P/T∂N)U,V=−(∂μ/T∂V)U,N\boxed{\begin{aligned} \drp{1/T}{V}{U,N} &=\drp{P/T}{U}{V,N},\\ \drp{1/T}{N}{U,V} &=-\drp{\mu/T}{U}{V,N},\\ \drp{P/T}{N}{U,V} &=-\drp{\mu/T}{V}{U,N} \end{aligned}}

Diese Beziehungen sind nicht unabhängig von denen der Energiedarstellung; sie sind lediglich an diese Wahl der Variablen angepasst.

Wichtig zu merken
Jede der Funktionen U(S,V,N)U(S,V,N) und S(U,V,N)S(U,V,N) stellt eine Fundamentalgleichung dar: Die Kenntnis einer von ihnen reicht aus, um die gesamte Gleichgewichtsthermodynamik des Systems zu bestimmen, insbesondere seine intensiven Variablen, Zustandsgleichungen und Maxwell-Relationen. Geometrisch beschreiben diese beiden Funktionen dieselbe dreidimensionale Hyperfläche im Raum der extensiven Variablen (U,S,V,N)(U,S,V,N). Diese Gleichgewichtsfläche stellt den Raum der Gleichgewichtszustände E\mathcal E dar, der in Lektion 3 eingeführt und in Lektion 4 erneut behandelt wurde. Dort wurde beispielsweise der Graph von U(T,V,N)U(T,V,N) im Raum (U,T,V,N)(U,T,V,N) verwendet: Die dargestellten Zustände sind dieselben, lediglich die Wahl der Variablen ändert sich.

3. Die Rolle der Extensivität

Für das ideale Gas kennen wir bislang nur zwei explizite Zustandsgleichungen. Das reicht nicht aus, um die Fundamentalgleichung wie in Abschnitt 1.4 vorgesehen vollständig durch Integration zu rekonstruieren. Wir können jedoch eine weitere Eigenschaft nutzen: die Extensivität. Sie erlaubt es, den Satz von Euler auf UU oder SS anzuwenden und daraus eine neue, nichttriviale Beziehung abzuleiten, die Gibbs-Duhem-Relation.

Wir untersuchen sie hier zunächst allgemein, bevor wir sie auf das ideale Gas anwenden.

3.1. Extensivität und der Satz von Euler

Definition 2 (Homogene Funktion)
In der Mathematik heißt eine Funktion f(x1,...,xn)f(x_1,...,x_n) homogen vom Grad kk, wenn f(λx1,...,λxn)=λkf(x1,...,xn)f(\lambda x_1,...,\lambda x_n)=\lambda^k f(x_1,...,x_n)

für alle λ>0\lambda>0 gilt.

Ist ff differenzierbar, so besagt der Satz von Euler, dass

∑i=1nxi∂f∂xi=kf\boxed{\sum_{i=1}^{n}x_i\frac{\partial f}{\partial x_i}=k f}

(5)

Beweis.
Dazu genügt es, die Homogenitätsbeziehung bei festen xix_i nach λ\lambda abzuleiten: ∑i=1nxi∂f∂xi(λx1,...,λxn)=kλk−1f(x1,...,xn).\sum_{i=1}^{n}x_i\frac{\partial f}{\partial x_i} (\lambda x_1,...,\lambda x_n) =k\lambda^{k-1}f(x_1,...,x_n).

Anschließend setzt man λ=1\lambda=1.

Die Extensivität von UU und SS haben wir in den Lektionen 4 und 6 besprochen. Diese Eigenschaft gilt für makroskopische Systeme, bei denen Oberflächeneffekte und langreichweitige Wechselwirkungen vernachlässigt werden können. Wir nehmen hier an, dass dies zutrifft. Dann gilt:

U(λS,λV,λN)=λU(S,V,N),S(λU,λV,λN)=λS(U,V,N),\begin{aligned} U(\lambda S,\lambda V,\lambda N)&=\lambda U(S,V,N),\\ S(\lambda U,\lambda V,\lambda N)&=\lambda S(U,V,N), \end{aligned}

Das heißt, UU und SS sind homogene Funktionen ersten Grades. Die Anwendung des Satzes von Euler auf U(S,V,N)U(S,V,N) mit k=1k=1 liefert dann:

U=S(∂U∂S)V,N+V(∂U∂V)S,N+N(∂U∂N)S,V,U=S\drp{U}{S}{V,N} +V\drp{U}{V}{S,N} +N\drp{U}{N}{S,V},

Setzen wir darin die Zustandsgleichungen (2) ein, erhalten wir die Euler-Relation:

U=TS−PV+μN\boxed{U=TS-PV+\mu N}
(6)

Bemerkung 2
Die differentielle Fundamentalgleichung setzt keine Extensivität voraus. Diese integrierte Form hingegen beruht darauf. Eine entsprechende Rechnung in der Entropiedarstellung liefert dieselbe Gleichung (Übung: überprüfen Sie dies).

3.2. Die Gibbs-Duhem-Relation

Aus der Euler-Relation folgt eine wichtige thermodynamische Identität für extensive Systeme. Durch Differenzieren erhalten wir

dU=T dS+S dT−P dV−V dP+μ dN+N dμ.dU=T\,dS+S\,dT-P\,dV-V\,dP+\mu\,dN+N\,d\mu.

Wir fassen die Terme auf der linken Seite wie folgt zusammen:

dU−T dS+P dV−μ dN=S dT−V dP+N dμ.dU-T\,dS+P\,dV-\mu\,dN=S\,dT-V\,dP+N\,d\mu.

Nach der Fundamentalgleichung verschwindet die linke Seite. Es bleibt somit die Beziehung

SdT−VdP+Ndμ=0\boxed{S dT-V dP+N d\mu=0}
(7)

Sie heißt Gibbs-Duhem-Relation. Sie zeigt, dass die drei intensiven Variablen TT, PP und μ\mu in einer homogenen Phase aus einer einzigen Spezies nicht unabhängig voneinander variieren können.

Bemerkung 3 (In der Entropiedarstellung)
In der Entropiedarstellung lautet die Euler-Relation S=UT+PTV−μTN.S=\frac{U}{T}+\frac{P}{T}V-\frac{\mu}{T}N.

Durch Differenzieren und mithilfe der Fundamentalgleichung (3) erhalten wir entsprechend

Ud(1T)+Vd(PT)−Nd(μT)=0\boxed{U d\left(\frac{1}{T}\right) +V d\left(\frac{P}{T}\right) -N d\left(\frac{\mu}{T}\right)=0}
(8)

Bemerkung 4 (Verallgemeinerung auf mehrere Spezies)
Dieselbe Rechnung ausgehend von der Fundamentalgleichung eines Gemisches aus rr chemischen Spezies ergibt U=TS−PV+∑i=1rμiNi,U=TS-PV+\sum_{i=1}^{r}\mu_iN_i,

und die Gibbs-Duhem-Relation wird zu

S dT−V dP+∑i=1rNi dμi=0\boxed{ S\,dT-V\,dP+\sum_{i=1}^{r}N_i\,d\mu_i=0 }

4. Die intensiven Freiheitsgrade

Wir haben ein einfaches System durch drei extensive Variablen, SS, VV und NN, beschrieben. Bei einem extensiven System lassen sich diese drei Variablen zur Beschreibung seines intensiven Zustands auf zwei intensive Variablen zurückführen. Aus der Extensivität folgt nämlich unmittelbar

U(S,V,N)=Nu(s,v),U(S,V,N)=N u(s,v),

Die Energie pro Teilchen u=U/Nu=U/N ist also eine Funktion von nur zwei intensiven Variablen, s=S/Ns=S/N und v=V/Nv=V/N.

Definition 3 (Intensive Freiheitsgrade)
Als Zahl der Freiheitsgrade eines thermodynamischen Systems bezeichnet man die Zahl unabhängiger intensiver Variablen, die man wählen kann, um den intensiven Gleichgewichtszustand zu bestimmen. Für einen reinen Stoff in einer einzigen Phase beträgt sie zwei.

Zur Beschreibung des vollständigen Systemzustands muss außerdem die Größe des Systems angegeben werden, beispielsweise durch NN oder eine andere geeignete extensive Größe. Die zwei intensiven Freiheitsgrade dürfen daher nicht mit den drei extensiven Variablen verwechselt werden, die den vollständigen Zustand beschreiben.

In Lektion 10 verallgemeinern wir diese Zählung auf Systeme mit mehreren Komponenten und Phasen und leiten dabei die Gibbs'sche Phasenregel her.

5. Die Fundamentalgleichung des idealen Gases

5.1. Die Sackur-Tetrode-Gleichung

Die Gleichungen des einatomigen idealen Gases lauten PV=NkBTPV=Nk_BT und U=32NkBTU=\frac{3}{2}Nk_BT. Dabei ist kBk_B die Boltzmann-Konstante, die mit der idealen Gaskonstante RR durch kB=R/NAk_B=R/N_A zusammenhängt, wobei NAN_A die Avogadro-Zahl ist. Mit diesen beiden Gleichungen und der Gibbs-Duhem-Relation lässt sich die Fundamentalgleichung des idealen Gases bestimmen.

Es ist einfacher, SS statt UU zu bestimmen. Wir gehen daher von der ersten Zustandsgleichung in der Entropiedarstellung aus:

(∂S∂U)V,N=1T=3NkB2U.\drp{S}{U}{V,N} =\frac{1}{T} =\frac{3Nk_B}{2U}.

Durch Integration nach UU bei festem VV und NN mit einer beliebigen Referenzenergie U0>0U_0>0 erhalten wir

S(U,V,N)=32NkBln⁡(UU0)+F(V,N),S(U,V,N)=\frac{3}{2}Nk_B\ln\left(\frac{U}{U_0}\right)+F(V,N),
(9)

Dabei ist FF eine noch unbekannte Funktion. Das Argument des Logarithmus ist damit dimensionslos; U0U_0 wird am Ende mit den anderen Konstanten zusammengefasst. Die zweite Zustandsgleichung liefert anschließend

(∂S∂V)U,N=PT=NkBV.\drp{S}{V}{U,N} =\frac{P}{T} =\frac{Nk_B}{V}.

Durch Einsetzen von (9) und Integration nach VV erhalten wir

F(V,N)=NkBln⁡(VV0)+Z(N),F(V,N)=Nk_B\ln\left(\frac{V}{V_0}\right)+Z(N),

Dabei ist auch V0>0V_0>0 ein beliebiges Referenzvolumen, sodass

S(U,V,N)=32NkBln⁡(UU0)+NkBln⁡(VV0)+Z(N).S(U,V,N) =\frac{3}{2}Nk_B\ln\left(\frac{U}{U_0}\right) +Nk_B\ln\left(\frac{V}{V_0}\right) +Z(N).

Nun bleibt Z(N)Z(N) mithilfe der Gibbs-Duhem-Relation zu bestimmen. Die Rechnung wird im folgenden Beweis durchgeführt. Bis auf eine Konstante AA erhält man

S=NkB[ln⁡(AVN(UN)3/2)+52]\boxed{ S =Nk_B\left[ \ln\left( A\frac{V}{N}\left(\frac{U}{N}\right)^{3/2} \right) +\frac{5}{2} \right] }
(10)

Dabei ist AA eine dimensionsbehaftete Konstante, die nicht von UU, VV oder NN abhängt. Bis auf den Wert von AA ist dies die Sackur-Tetrode-Formel, die Otto Sackur und Hugo Tetrode 1912 unabhängig voneinander herleiteten1.

Note 1 : Die Thermodynamik bestimmt die Abhängigkeit von SS von UU, VV und NN, kann jedoch AA nicht festlegen. Genau darin liegt der Beitrag von Sackur und Tetrode: Indem sie den Phasenraum in Zellen des Volumens h3h^3 pro Teilchen einteilten, erhielten sie für ein einatomiges ideales Gas aus ununterscheidbaren Teilchen der Masse mm ohne innere Entartung A=(4πm3h2)3/2.A=\left(\frac{4\pi m}{3h^2}\right)^{3/2}. Das Auftreten des Planckschen Wirkungsquantums hh zeigt, dass dieser Wert zur Quantenphysik gehört und nicht allein aus der Thermodynamik folgt.
Beweis.
Die dritte Zustandsgleichung ergibt

μT=−(∂S∂N)U,V=−32kBln⁡(UU0)−kBln⁡(VV0)−Z′(N).\frac{\mu}{T} =-\drp{S}{N}{U,V} =-\frac{3}{2}k_B\ln\left(\frac{U}{U_0}\right) -k_B\ln\left(\frac{V}{V_0}\right)-Z'(N).
(11)

Andererseits lautet die Gibbs-Duhem-Relation in der Entropiedarstellung, Gleichung (8),

d(μT)=UN d(1T)+VN d(PT)=UN d(3NkB2U)+VN d(NkBV)=3kB2(dNN−dUU)+kB(dNN−dVV)=5kB2dNN−3kB2dUU−kBdVV.\begin{aligned} d\left(\frac{\mu}{T}\right) &=\frac{U}{N}\,d\left(\frac{1}{T}\right) +\frac{V}{N}\,d\left(\frac{P}{T}\right)\\ &=\frac{U}{N}\,d\left(\frac{3Nk_B}{2U}\right) +\frac{V}{N}\,d\left(\frac{Nk_B}{V}\right)\\ &=\frac{3k_B}{2}\left(\frac{dN}{N}-\frac{dU}{U}\right) +k_B\left(\frac{dN}{N}-\frac{dV}{V}\right)\\ &=\frac{5k_B}{2}\frac{dN}{N} -\frac{3k_B}{2}\frac{dU}{U}-k_B\frac{dV}{V}. \end{aligned}

Dieser Ausdruck lässt sich unmittelbar integrieren zu

μT=−3kB2ln⁡(UU0)−kBln⁡(VV0)+5kB2ln⁡N−α,\frac{\mu}{T} =-\frac{3k_B}{2}\ln\left(\frac{U}{U_0}\right) -k_B\ln\left(\frac{V}{V_0}\right) +\frac{5k_B}{2}\ln N-\alpha,

Dabei ist α\alpha eine noch unbestimmte Konstante. Durch Vergleich mit Gleichung (11) erhalten wir

Z′(N)=−5kB2ln⁡N+α.Z'(N)=-\frac{5k_B}{2}\ln N+\alpha.

Erneute Integration ergibt:

Z(N)=−5kB2Nln⁡N+5kB2N+αN+β,Z(N)=-\frac{5k_B}{2}N\ln N+\frac{5k_B}{2}N+\alpha N+\beta,

Dabei ist β\beta eine zweite Integrationskonstante. Setzen wir diesen Ausdruck in die Entropie ein und fassen die Logarithmen zusammen, erhalten wir

S(U,V,N)=NkBln⁡[(UNU0)3/2VNV0]+52NkB+αN+β.S(U,V,N) =Nk_B\ln\left[ \left(\frac{U}{NU_0}\right)^{3/2}\frac{V}{NV_0} \right] +\frac{5}{2}Nk_B+\alpha N+\beta.

Alle Terme außer β\beta sind extensiv. Damit S(λU,λV,λN)=λS(U,V,N)S(\lambda U,\lambda V,\lambda N)=\lambda S(U,V,N) gilt, muss daher β=0\beta=0 sein. Fassen wir U0U_0, V0V_0 und α\alpha in der Konstanten A=eα/kB/(U03/2V0)A=e^{\alpha/k_B}/(U_0^{3/2}V_0) zusammen, erhalten wir

S(U,V,N)=NkB[ln⁡(AVN(UN)3/2)+52],S(U,V,N) =Nk_B\left[ \ln\left( A\frac{V}{N}\left(\frac{U}{N}\right)^{3/2} \right) +\frac{5}{2} \right],
(12)

Dabei besitzt AA die erforderlichen Dimensionen.

Bemerkung 5 (In der Energiedarstellung)
Durch Umkehrung der Beziehung (10) erhalten wir die Fundamentalgleichung des idealen Gases in der Energiedarstellung: U(S,V,N)=N(NAV)2/3exp⁡(2S3NkB−53)\boxed{ U(S,V,N)=N\left(\frac{N}{AV}\right)^{2/3} \exp\left(\frac{2S}{3Nk_B}-\frac{5}{3}\right) }

5.2. Die Zustandsgleichungen wiedergewinnen

überprüfen wir, dass die in (10) angegebene Fundamentalgleichung S=S(U,V,N)S=S(U,V,N) die beiden ursprünglichen Zustandsgleichungen liefert. Durch Ableiten nach UU und VV erhalten wir

1T=(∂S∂U)V,N=3NkB2U,\frac{1}{T} = \drp{S}{U}{V,N}=\frac{3Nk_B}{2U},

und

PT=(∂S∂V)U,N=NkBV.\frac{P}{T} = \drp{S}{V}{U,N}=\frac{Nk_B}{V}.

Damit erhalten wir tatsächlich wieder U=3NkBT/2U=3Nk_BT/2 und PV=NkBTPV=Nk_BT. Es bleibt nur noch, das chemische Potential μ=−T(∂S∂N)U,V\mu=-T\drp{S}{N}{U,V} zu berechnen. Die Ableitung ergibt (überprüfen Sie dies):

μ=−kBTln⁡[AVN(UN)3/2]\boxed{\mu=-k_BT\ln\left[A\frac{V}{N}\left(\frac{U}{N}\right)^{3/2}\right]}

(13)

Bemerkung 6
Nun können die Maxwell-Relationen für das ideale Gas explizit überprüft werden; siehe die Übung „Die Maxwell-Relationen für das ideale Gas überprüfen“.

6. Gleichgewicht und Stationarität der Entropie

In Lektion 6 haben wir im Abschnitt „Entropie und Gleichgewicht“ angenommen, dass die Entropie eines isolierten Gesamtsystems im Gleichgewicht stationär ist: Ihre Änderung erster Ordnung verschwindet bei kleinen Änderungen der freien Systemparameter unter Einhaltung der vorgegebenen Nebenbedingungen. Wiederholen wir diese Rechnung für zwei Teilsysteme, die auch Teilchen austauschen können. Jedes sei im inneren Gleichgewicht; Beiträge ihrer Grenzfläche werden vernachlässigt. Das Gesamtsystem ist isoliert: Seine Energie UU, sein Volumen VV und seine Teilchenzahl NN sind fest. Die Nebenbedingungen lauten daher

U1+U2=U,V1+V2=V,N1+N2=N.U_1+U_2=U,\qquad V_1+V_2=V,\qquad N_1+N_2=N.

Die Parameter jedes Teilsystems dürfen sich dennoch ändern, sofern sich ihre Änderungen gegenseitig ausgleichen:

dU2=−dU1,dV2=−dV1,dN2=−dN1.dU_2=-dU_1,\qquad dV_2=-dV_1,\qquad dN_2=-dN_1.

Die Trennwand kann zusätzliche Nebenbedingungen auferlegen: Ist sie fest, gilt dV1=0dV_1=0; ist sie undurchlässig, gilt dN1=0dN_1=0. Um zu bestimmen, welche Parameter frei bleiben, müssen daher die zugelassenen Austauschvorgänge angegeben werden.

Drückt man die Parameter des zweiten Teilsystems mithilfe der Nebenbedingungen aus, wird die Gesamtentropie zu einer Funktion von U1U_1, V1V_1 und N1N_1:

Stot=S1(U1,V1,N1)+S2(U−U1,V−V1,N−N1).S_{\mathrm{tot}} =S_1(U_1,V_1,N_1)+S_2(U-U_1,V-V_1,N-N_1).

Die Fundamentalgleichung liefert

dStot=(1T1−1T2)dU1+(P1T1−P2T2)dV1−(μ1T1−μ2T2)dN1.\begin{aligned} dS_{\mathrm{tot}} ={}&\left(\frac{1}{T_1}-\frac{1}{T_2}\right)dU_1\\ &+\left(\frac{P_1}{T_1}-\frac{P_2}{T_2}\right)dV_1\\ &-\left(\frac{\mu_1}{T_1}-\frac{\mu_2}{T_2}\right)dN_1. \end{aligned}

Können die drei freien Parameter U1U_1, V1V_1 und N1N_1 in der Nähe des Gleichgewichts unabhängig voneinander in beide Richtungen variieren, so verlangt die Stationarität, dass die Koeffizienten aller drei Variationen dU1dU_1, dV1dV_1 und dN1dN_1 verschwinden. Wir erhalten nacheinander:

T1=T2P1=P2μ1=μ2\boxed{T_1=T_2} \qquad \boxed{P_1=P_2} \qquad \boxed{\mu_1=\mu_2}

Die Gleichheit der chemischen Potentiale ergänzt somit die bereits bekannten Bedingungen des thermischen und mechanischen Gleichgewichts. Diese Bedingungen gelten nur für zugelassene Austauschvorgänge: Eine undurchlässige Wand erzwingt beispielsweise dN1=0dN_1=0, sodass die letzte Bedingung im Gleichgewicht nicht erforderlich ist.

Bei einer durchlässigen, aber festen Wand und gemeinsamer Temperatur T1=T2=TT_1=T_2=T gilt einfach

dStot=μ2−μ1T dN1,dS_{\mathrm{tot}}=\frac{\mu_2-\mu_1}{T}\,dN_1,

Dies zeigt: Wenn μ2>μ1\mu_2>\mu_1, erhöht ein Teilchentransfer von 2 nach 1 (dN1>0dN_1>0) die Entropie und erfolgt daher spontan. Wie oben angekündigt, geht Materie bei einheitlicher Temperatur bevorzugt von Bereichen höheren chemischen Potentials in Bereiche niedrigeren chemischen Potentials über, bis die chemischen Potentiale im Gleichgewicht übereinstimmen.

7. Literaturhinweise

  1. H. B. Callen, Thermodynamics and an Introduction to Thermostatistics, 2nd ed., Wiley (1985)